"BRICOLAGES"

Pierre Bastien
Olivier Blanckart
Cécile Bonnet & Delphine Reist
Malachi Farrell
Hervé Graumann
Vincent Julliard
Kressig AG

Le Gentil Garçon
Mathieu Mercier
Joachim Mogarra
Hugues Reip
Pierrick Sorin
Cyril Verrier

 

Kunstraum Kreuzlingen
3 février - 18 mars 2001

Kunstmuseum des Kantons Thurgau Kartause Ittingen
3 février - 22 avril 2001

Shed im Eisenwerk (Projektraum) Frauenfeld
3 février - 24 mars 2001

Bricolages" bespielt drei thurgauische Ausstellungsräume, die sich ganz oder teilweise der Gegenwartskunst widmen: kunstraum Kreuzlingen, Kunstmuseum des Kantons Thurgau in Ittingen, shed im Eisenwerk Frauenfeld. In einer Zeit, da die Technik allgegenwärtig ist, da das Überangebot an Waren das Recycling zu einer Notwendigkeit macht und da jeder in seiner Garage ein Kleinunternehmen aufbauen kann, erscheint es uns interessant, abzuklären, was der Begriff Bricolage (Basteleien) im zeitgenössischen künstlerischen Umfeld bedeutet.

Der Begriff Bricolage hatte lange Zeit - zum Teil auch heute noch - eine abschätzige Bedeutung. Er wurde angewendet, um eine improvisierte, schlecht und recht gemachte Arbeit zu bezeichnen. Erst Claude Lévi-Strauss verlieh ihm in seinem Buch „La pensée sauvage" (1962) einen neuen Glanz. Und in Verfolgung dieser Analyse interessiert uns der Begriff Bricolage. Das Bild des Bastlers, der seine Tätigkeit ausübt aufgrund einer Praxis, die er selbst entwickelt hat, steht dem Bild des Ingenieurs gegenüber, dessen Aktionsfeld auf theoretischem Wissen basiert. Der Künstler ist für Claude Lévi-Strauss Gelehrter und Bastler in einem: Mit handwerklichen Mitteln schafft er ein sinnliches Objekt, das gleichzeitig ein Objekt der Erkenntnis ist.

Heute verfügt der Mensch nicht nur über zunehmend viel Freizeit, sondern auch über die vielfältigsten Werkzeuge und Technologien für den individuellen Gebrauch. Die Grenzen zwischen Beruf und Hobby verwischen sich in Bezug auf Arbeitszeit, auf Verfügbarkeit von Material, auf Geschicklichkeit. Das „do it yourself" ist ein Unternehmensgeist, der zu Aktivitäten motiviert, die jedermann zu hause entwickeln kann (start up, home studio). Diese Faktoren verlangen und fördern gleichzeitig eine vielfältige Kompetenz in der Beherrschung von Instrumenten und Techniken.
Parallel zu dieser Entwicklung wurde das Recycling aller Arten von Materialien eine ökologische und ökonomische Notwendigkeit. Der Prozess, der darin besteht, „aus Altem Neues zu machen" bedingt, gerade auf dem Gebiet der plastischen Künste, sowohl eine Liebe zum Material, als auch technische Kenntnisse und einen ästhetischen Erfindungsgeist, kurz einen kreativen Willen.

Wir versuchen, aufzuzeigen, dass aus unserer Sicht Bricolage eine Geisteshaltung ist. Eine Geisteshaltung, die uns veranlasst, zu probieren, zu erforschen, zu improvisieren und auch zu erfinden. Eine geistige Einstellung also, die nicht auf einer Praxis des „beinahe" hinausläuft, sondern im Gegenteil auf die Erarbeitung von Fähigkeiten, mit denen ein Individuum sein einzigartiges, persönliches Universum erstellen kann. Die Künstler, die wir ausgewählt haben, konstruieren, dekonstruieren, verformen Bilder, Objekte, Strukturen und entwickeln Überlegungen auf allen möglichen Gebieten: von der Wohnung zu „condition humaine", von der Musik zum Spiel, vom menschlichen Körper zur Umwelt. Jeder praktiziert nach seiner Methode eine Art Bricolage, die wir als persönliche Technologie bezeichnen können.

Die Mehrzahl der Künstler/innen dieser Ausstellung leben in der Romandie oder in Frankreich. Damit erhält der Nord-Osten der Schweiz, eine Region die eher auf das deutsche und angelsächsische Kunstgeschehen ausgerichtet ist, Gelegenheit, einen Blick auf die francophone Kunst zu werfen. Sicher sind der Begriff und die Praxis des Bricolage nicht ausschliesslich francophone, aber es erschien uns angebracht, daran zu erinnern, dass neben der üblichen Vorstellung, nach der die francophonen Künstler/innen hauptsächlich intellektuelle, formalistische und Text-Werke schaffen, doch viele von ihnen ausgesprochene „Bricoleurs", also Bastler sind.

Jean-Paul Felley & Olivier Kaeser
(Übersetzung Ted Egloff)


Mit Freundlicher Unterstützung von:
Pro Helvetia
AFAA, Association Française d'action artistique
Ambasade de France en Suisse
Ville de Genève
Stadt Kreuzlingen
Kanton Thurgau Lotteriefonds
Thurgauer Zeitung
Schweizerischer Kunstverein - échanges
Videocompany Zofingen

 

Pierre Bastien
Solokonzert mit Sound-Maschinen, die aus Meccano-Elementen konstruiert sind, in einer Inszenierung, die auch Video-Projektionen für die Vernissage im Kunstmuseum der Kartause Ittingen enthält, sowie die Präsentation der CD-Rom "Neun optische Spielzeuge" (2000), eine Bild-Ton-Installation, die man nach Belieben verändern kann, realisiert mit Karel Doing.

Olivier Blanckart
"Familyx" ist das Gruppenportrait einer gewöhnlichen armen Familie. Diese bisher noch nie gezeigte Skulptur aus Klebeband und Schaumstoff nach einer Fotografie von Walker Evans von 1936 aus dem Buch "Louons maintenant les grands hommes" wird im Kunstraum Kreuzlingen installiert.

Cécile Bonnet & Delphine Reist
Vergängliche Konstruktionen von kleinen Hütten aus Sperrmüll im öffentlichen Raum. Im Laufe der zu erwartenden Demontage dieser primitiven Unterstände werden fotokopierte Fotografien an ihrer Stelle hingeklebt als Beweis ihrer Existenz. Das Projekt wird im Kunstraum Kreuzlingen dokumentiert und während eines Monats täglich in der Neuen Thurgauer Zeitung annonciert.

Malachi Farrell
Koordiniert durch einen Bewegungsmelder und einen Ordinator inszeniert die Installation "Fish Flag Mourant (Black Kettle)" (1998) um ein Wasserbecken herum ein makabres Ballett von metallischen Gliederfischen, das energisch und unverblümt die allgemeine Verschmutzung der Umwelt anklagt. Sie ist im Kunstmuseum der Kartause Ittingen ausgestellt.

Hervé Graumann
Ausgehend von Fotografien der Kartause Ittingen werden Video 3D-Filme computergeneriert für das Kunstmuseum und eigens ein Bildschirmschoner (screen saver) konzipiert für seine Website www.kunstmuseum.ch. aufgrund des Inventars der Museumssammlung.

Vincent Julliard
Performance für die Vernissage im Kunstraum Kreuzlingen, anschliessend Präsentation der Video-Installation "Théâtre ORL" (1998-99), wo der Artist als Bühne seiner Arbeit erscheint. Das Innere seines Mundes wird die Szene eines possenhaften Schauspiels, wo seltsame Figuren aus den Himmeln herabsteigen oder aus Rauch und Nebel aufsteigens.

Kressig AG
Die Improvisationen in situ werden mit heterogenen Objekten in länglichen Räumen aufgebaut, nämlich " N 47° 33' 40" - E 8° 53' 38" " in den zwei Zimmern des Projektraum des Shed im Eisenwerk - Frauenfeld, und " N 47° 35' 04" - E 8° 52' 00" " in einem Aussenhof des Kunstmuseum der Kartause Ittingen.

Le Gentil Garçon
"Der Spezialist der Abteilung Gartenbau, erster Kontakt. - Guten Tag, ich hätte gerne eine Auskunft über Wasserpumpen, bitte. - Ja sicher, folgen Sie mir. Das wäre zu welchem Zweck? - Oh, das ist etwas Spezielles, tatsächlich für eine Ausstellung, eigentlich für eine Art Skupltur... - Oh nein, Sie müssen ja nicht glauben, dass ich mein ganzes Leben hier in diesem Laden verbringe! Ich gehe hie und da auch in Museen und verstehe sehr gut die Art von Arbeit, die Sie machen wollen." (LGG).

Mathieu Mercier
Im Eingangsbereich des Kunstraum Kreuzlingen dient eine aus Modulen erbaute Konstruktion als Mobiliar für den Empfang der Besucher, für die Vorführung der Dokumentation und für Videos auf Monitoren. Daneben begleitet ein elektrisches Modul den Entwurf eines umfunktionierten Hauses, ein neuerfundene Lagerpalette oder auch ein Schema, das die Freizeitaktivitäten kategorisiertr.

Hugues Reip
Eine Installation, die eigens für eine Mönchszelle der Kartause Ittingen eingerichtet wird, bestehend aus einem Tonband "...knock, knock, knocking on heaven's door..." von Bob Dylan a cappella-gesungen durch SPLITI (Hugues Reip und Jacques Julien), sowie einer Videoprojektion, wo man den Schatten des Künstlers sieht, wie er eine Türe eintritt. Beilage in der Neuen Thurgauer Zeitung.

Joachim Mogarra
Accrochage im Kunstmuseum der Kartause Ittingen einer Auswahl von schwarz/weiss-Fotografien: die komplette Serie "sans titre (J'ai acheté une voiture)" (1981) ; zehn "Images du monde" (1983-85), und drei "Lieux de la foi" (1986)

Pierrick Sorin
Video-Installation im Kunstraum Kreuzlingen "Pierrick coupe du bois" (1997), bestehend aus zwei Monitoren und einem Spiegel in einer Konstruktion. Man sieht darin wie Pierrick ein Brett durchsägt, das er zwischen seine Beinen hält. Ein Helfer, der das andere Ende des Brettes hält, filmt die Szene. Das Gesicht von Pierrick ist geprägt von Leid und Lust, provoziert durch die Vibrationen des Bretts.

Cyril Verrier
Die Serie "Les casques" (2000-2001) in verschiedenen Stadien ihrer Realisation: Zeichnungen, Gussformen, Modelle und farbige Helme, ausgeführt hauptsächlich in Glasfiber und Silikon. Auf einem Monitor Auswahl von neueren Videos, im Kunstraum Kreuzlingen. Die Serie "Les casques" (2000-2001) kann unter anderem realisiert werden dank einer Unterstützung durch den Kanton Genf.

 

     

 

 

expos
multiples
livres
textes
liens
soutiens
contacts
attitudes